Jens Scholz
prudsys AG

since 1998
Was macht Ihr Unternehmen?

Die prudsys AG beschäftigt sich seit der Gründungsphase mit künstlicher Intelligenz und der Automatisierung von Entscheidungen. Wir haben zu Beginn mehrere Betätigungsfeldern ausprobiert und sowohl Lösungen für Energieversorger als auch Finanzdienstleister im Bereich Marketing Automation entwickelt. Ab 2003 haben wir uns aber ganz auf den Versandhandel konzentriert, vornehmlich auf den E-Commerce-Sektor. Besonders spannend fanden wir die Herausforderung, Daten in Echtzeit zu messen, unmittelbar daraus zu lernen und die Ergebnisse auch in Echtzeit zurückzuspielen. Damals waren wir die Ersten, die so etwas im Einzelhandel gemacht haben. In den letzten Jahren hat sich Echtzeit-Personalisierung mehr und mehr zum Trend-Thema entwickelt. Heute sind wir auf diesem Gebiet im deutschsprachigen Raum Markt- und Technologieführer.

Wie sind Sie auf die Idee für Ihr Unternehmen gekommen?

Die Idee kam uns in der Mensa der TU Chemnitz. Wir waren eine Gruppe befreundeter Kommilitonen, die beim Mittagessen die Idee hatte, die Fortschritte im Bereich der künstlichen Intelligenz zu nutzen, um allgegenwärtige Probleme von Unternehmen zu lösen.

Wie kamen Sie zum ersten Mal mit dem Unternehmertum in Kontakt?

Mitte der 90er Jahre war der IT-Sektor stark im Umbruch. Dr Michael Theß, einer der Kerngründer der prudsys AG, war zu dieser Zeit zu einem Auslandssemester in Russland. Von diesem Aufenthalt brachte er einen ganzen Koffer voll neuer Ideen mit. Daraus entstand auch ein erster Auftrag: Innerhalb weniger Wochen sollte eine Software für einen Prototypen entwickelt werden, mit dessen Hilfe man russische Banknoten (Rubel) automatisch erkennen wollte. Wir waren damals schon sehr gut miteinander befreundet und nahmen u.a. auch diesen Auftrag zum Anlass, zu zweit eine GbR zu gründen. Das waren unsere ersten Schritte als junge Unternehmer, die vor allem durch Entwicklergeist und Forscherdrang motiviert waren. Und ja, der Prototyp hat funktioniert und wurde von unserem Auftraggeber im selben Jahr auf der Hannovermesse ausgestellt. Wir waren richtig stolz darauf. (lacht)

Was macht Ihrer Meinung nach einen erfolgreichen Gründer aus?

In erster Linie sollte ein Gründer Interesse daran haben, mit komplexen Sachverhalten umzugehen und gleichzeitig mehrere Bälle in der Luft zu halten. Er sollte eine Vision haben und diese beharrlich verfolgen. Man sollte Beharrlichkeit aber nicht mit Sturheit verwechseln. Ein Gründer sollte auch immer offen sein, neue Impulse aufzugreifen. Niederlagen gehören auch dazu. Diese muss man einstecken und trotzdem weitermachen. Und ganz wichtig: Ein Gründer sollte in der Lage sein, Menschen von seinem Produkt zu begeistern.

Was haben Sie vor der Gründung gemacht?

Zu meiner Schulzeit wollten fast alle Jungen irgendetwas mit Computern machen oder sogar Informatik studieren. Da die Studienplätze begrenzt waren, entschied ich mich kurzerhand für ein Mathematikstudium. Ich hatte die Option, nach dem Grundstudium in die Informatik zu wechseln. Das Mathematikstudium hat mich allerdings so sehr begeistert, dass ich diesem Weg treu geblieben bin. Wenn ich mich nicht für die Mitgründung des Unternehmens entschieden hätte, würde ich heute sicherlich in den Bereichen Softwareentwicklung oder Robotik/Maschinenbau arbeiten.

Welche Hürden mussten Sie bisher meistern?

Die größten Hürden mit denen wir in der Anfangsphase konfrontiert wurden, waren eng mit dem Thema Finanzierung verknüpft. Uns war von Anfang an klar, dass wir mit den paar Mark, die wir zusammengespart hatten, nicht weit kommen würden. Über staatliche Förderprogramme und den Einstieg eines Risikokapitalgebers gelang es uns jedoch schnell, eine solide wirtschaftliche Basis für unser unternehmerisches Handeln zu schaffen.

Welche Unterstützungen bekamen Sie bei der Gründung?

Die wohl größte Unterstützung haben wir in unseren Mitstreitern gefunden. Wir waren unter Gleichgesinnten und konnten uns so gegenseitig motivieren. Eine entscheidende Rolle spielte zudem Prof. Dr. Werner Dilger, der damals die Professur für künstliche Intelligenz an der TU Chemnitz innehatte. Er nahm die Rolle eines Mentors ein und hat uns vor allem in der Anfangszeit sehr unterstützt.

Welche Erfahrungen können Sie Gründern aus ihrer Geschichte heraus weitergeben, was haben Sie gelernt?

Eine einfache Geschäftsidee haben und diese formulieren! Je komplexer die Geschäftsidee, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass es keine gute Geschäftsidee ist. Dies gilt insbesondere für die Finanzierung. Die Idee muss greifbar sein und den potentiellen Investor sofort begeistern. Diese Begeisterung wird man aber nur auslösen, wenn man selbst zu hundert Prozent hinter der eigenen Idee steht. Fehlende Leidenschaft und Zweifel an der Umsetzbarkeit erkennt ein potentieller Investor meist sofort. Der Glaube an die eigene Idee, Geduld und eine einfache Geschäftsidee sind folglich die Erfolgsfaktoren für den Finanzierungszuschlag. Wenn man keine Finanzierung bekommt, ist dies meist ein Indiz dafür, dass die Idee nicht gut genug ist.

Wo sehen Sie Geschäftsmöglichkeiten für die Zukunft?

Unser Fokus liegt ganz klar auf dem Bereich Handel. Da wir bereits seit 18 Jahren auf ein fundiertes Wissen in der Branche zurückgreifen können, ist es unser Ziel, schneller zu wachsen als der Markt. Zum Beispiel beträgt das jährliche Marktwachstum im E-Commerce aktuell 12 bis 15 Prozent. Interessant ist aber auch die Tatsache, dass sich der stationäre Handel zunehmend positiv zum E-Commerce positioniert. Hier wird der Handel kurz- und mittelfristig schon erste Früchte der eigenen Digitalisierungsstrategien ernten, auch wenn die Umstellung der Prozesse im ersten Moment oft schmerzt. Unsere Mission ist, den Handel bei der Digitalisierung der Geschäftsprozesse mit Echtzeit-Entscheidungssystemen zu unterstützen. Das wird sicher die nächsten Jahre unsere vollste Aufmerksamkeit erhalten.

Könnten Sie sich vorstellen, angehende Gründer zu unterstützen? Falls ja, in welchen Bereichen könnten Gründer auf Sie zukommen?
Gern unterstützen wir angehende Gründer mit unserer Erfahrung. Die besteht insbesondere in der Erfahrung mit Software, dem Aufspüren von Innovationen und dem Zugang zum Markt, aber auch im Bereich Management oder mit beratenden Tätigkeiten können wir zur Seite stehen. Ein breites Netzwerk mit kompetenten Partnern kann bei Bedarf ebenfalls zu Verfügung gestellt werden.